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Man kann nicht immer gewinnen...





Eine neue Erfahrung für den Teva-Läufer Felix Knopp beim Napf-Marathon


Also eigentlich war ich im Jahr 2008 recht brav. Habe zwei Ultramarathons gewonnen, einen Sieg bei einem Bergmarathon errungen, den Zweiten bei einem Crossmarathon gemacht und danach friedlich auf meinen Arzt gehört. Laut Ihm fühlte ich mich andauernd so platt, da der Herzmuskel nicht synchron arbeitete. Nun ja, auf Wettkämpfe sollte ich im Sommer verzichten, so der Arzt. Nach CT und Spiro bekomm ich doch endlich wieder grünes Licht. Der Muskel läuft zwar immer noch nicht synchron, aber es drohe zumindest keine Gefahr. Der Sommer ist zwar nun auch vorbei, aber „C’est la vie!“, wie der Franzose sagt. Um möglichst schnell in Schwung zu kommen laufe ich zwei 10km Landschaftsläufe mit. Es ist ein fürchterliches Gefühl… Schwere Beine, keine Luft und ein Tempo, das einem Hobbyjogger alle Ehre machen würde. Dazu gewinn ich noch, was mich nur noch mehr auf die Palme bringt. Mit solchen Zeiten gewinnen? Oh je!
Nichtsdestotrotz locken mich auch schon wieder die kleinen Abenteuer der Laufszene. Passender Weise haben wir noch eine Woche Urlaub und Lust in die Schweiz zu fahren. Wer weiß, ob dort nicht schon zu Gunsten der „Not leidenden Banken“ die Berge verhökert wurden.
Wenn schon Schweiz, dann geben wir uns auch das volle Programm. Berner Oberland und Wallis. Eben dort wo die hohen Berge sind. Leider macht das Wetter so gar keinen Spaß. Oft genug hängt die Nebelsuppe so richtig schön fest. Ausgerechnet zwei Tage vor dem anvisierten Napf-Marathon verspricht uns der Schweizer Wetterbericht Sonne über 1600 m. Also ab mit uns in die Laufschuhe und an jeder Weggabelung den steilsten Weg rauf. Es ist zwar ein ganz gutes Gekeule, aber letztendlich sind wir über der Wolkendecke und haben einen famosen Blick auf die höchsten Alpengipfel, die wie Nunataka aus dem Eis aus der Wolkendecke ragen. Wieder unten am Auto angelangt wird uns bewusst, dass es vielleicht nicht die prickelndste Idee war, sich genau zwei Tage vor einem Lauf noch mal so richtig die Beine müde zu pumpen. Aber gut, den Marathon lauf’ ich doch mit links… Von wegen! Der Napf-Marathon ist ein Klassiker. So viel wusste ich sogar vorher. Mehr musste ich aber auch nicht wissen, dachte ich. Einen Marathon mit gut 1000 Höhenmetern laufe ich immer ganz easy unter drei Stunden, gesetzt den Fall natürlich, ich bin gesund. Wozu ich mich bei einem bevorstehenden Marathon dann doch herablasse ist ein Blick auf das Streckenprofil und auf die angegebenen Höhenmeter. 1540 Höhenmeter heißt es da und ich zweifele schon an den Fähigkeiten des Veranstalters. So hoch ist der Berg „Napf“ nu auch nicht und laut Streckenprofil geht es fast nur einmal richtig hoch und eben wieder runter. Der Organisator hat bestimmt auf und ab addiert.
 
Am Vorabend, nach eingehender Besichtigung eines möglichen Schlafplatzes an der Strecke, schwant mir schon, dass der Organisator doch rechnen kann. Bereits 200 m nach dem Start geht es ab auf eine Bergstraße, die sich in Serpentinen gegen Napf schlängelt. Die jungen Wilden aus der Schweizer Laufszene geben die pace an. Mir scheint es leider, als hätte ich meine Gravitations-Rechnung nicht gezahlt. Die Beine sind zu und ich geh von Anfang an auf das Überlebenstempo, das man als Ultramarathon-Läufer so gut beherrscht. Nach gut zehn Kilometern bergauf geht es endlich auf einen crossigen Trail. Wildes rauf und runter über rutschigen, da feuchten Schweizer Nagelfluh (wieder Mal so ein unnötiges Erbe aus der Eiszeit – rutschige, verkittete Kiesel eben). Das Rennen ist eh gelaufen und ich muss mir eingestehen, dass ich ohne die sonst im Sommer üblichen langen Bergläufe nichts auf der Pfanne habe. Bergauf mach ich damit piano und berg runter geh ich kein Risiko. Stattdessen freu ich mich endlich einfach mal über die Kulisse, durch die wir laufen. Auf der Alm des Napf, die gepflegt wie ein Golfplatz ist, tobt der Bär und der Blick ist der Wahnsinn. Neuschnee liegt auf der beeindruckenden Schrattenfluh und am Horizont thront das Ensemble Eiger, Mönch und Jungfrau. Wie mittlerweile zu erwarten geht es jetzt auch nicht einfach 20 km bergab in Richtung Tal. Nee, es metert noch mal fleißig vor sich hin und ständig muss man acht geben, dass man nicht der Länge nach in den Dreck fliegt. Im Ultramarathonschritt kann man zwar keinen Blumentopf gewinnen, aber locker kann man aussehen, wenn man als 12-ter durchs Ziel eiert. Der Vorteil liegt bei einer solchen Rennstrategie auf der Hand. Es schmerzt zwar das Ego, nicht unter den ersten 10 einzutrudeln, dahingegen schmerzen mal nicht die Beine, da ich konsequent drauf geachtet habe, mich nicht abzuschießen, wo doch eh’ nix zu gewinnen war. Noch dazu muss man nicht auf die Siegerehrung warten und meine Frau spendiert mir dennoch ein Bier. Das muss Liebe sein!


Morgenstimmung

Foto: Felix Knopp

Strecke

Foto: Felix Knopp

Schlafplätze

Foto: Felix Knopp

Zuschauer

Foto: Felix Knopp

Im Ziel

Foto: Felix Knopp

 



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